Rauchen

Täglich rauchen in Österreich 19,4 % aller Frauen und 27,5 % aller Männer, die älter als 15 Jahre sind. Es rauchen rund 1,6 Millionen Österreicher und Österreicherinnen und damit fast ein Viertel (23 %). Den größten Anteil an täglich Rauchenden gibt es bei den jungen Erwachsenen zwischen 20 und 24 Jahren:

Tägliche Raucher in Österreich > 15 Jahre 1972 bis 2006 in %

 

Die Droge Nikotin

Reines Nikotin (ohne Tabak) ist nach aktuellem Wissensstand beim Menschen weder krebserregend noch für andere tabakassoziierte Erkrankungen verantwortlich.

Allerdings ist Nikotin jene Substanz, die zur körperlichen Abhängigkeit führt. Das Suchtpotenzial ist mit Heroin vergleichbar, die psychostimulierende Wirkung ähnelt jener von Kokain oder Amphetamin. Nikotin benötigt von der Lunge sieben Sekunden, um ins Gehirn zu gelangen. Über den Blutkreislauf - wie bei Heroin - werden 14 Sekunden benötigt. 50 bis 80 % der Raucher werden binnen mehrerer Wochen bis Monate mehr oder weniger stark abhängig (NIDA, Research Monograph 17 (12.1977), S. 15 f.).

 

Gesundheitsschädliche Auswirkungen des Rauchen

  • Auf den Tabakkonsum sind etwa 85 % der Lungenkrebserkrankungen und 75 % der Todesfälle wegen chronisch obstruktiver Atemwegserkrankungen COPD (Bronchitis und Emphysem) zurückzuführen.
  • Rauchen ist ein wichtiger Risikofaktor für Herz- und Gefäßerkrankungen. Das Risiko, an einer Herzkranzgefäßerkrankung zu erkranken, verdoppelt sich bereits für leichte RaucherInnen. Starke RaucherInnen mit einem täglichen Konsum von mehr als 45 Zigaretten haben bereits das elffache Risiko. Es besteht eine klare Dosis-Wirkungsbeziehung zwischen der Höhe des Risikos, der Zahl der täglich gerauchten Zigaretten und der Dauer des Rauchens. Für das Gefäßrisiko stellt schon das tägliche Rauchen von ein bis drei Zigaretten eine, wenn auch kleine, so doch messbare Erhöhung des Risikos dar.
  • Rauchen erhöht das Karzinomrisiko nicht nur für Karzinome der Atemwege, sondern über die Stoffwechselprodukte des Nikotins auch für Karzinome anderer Organe: Die Gesamtsterblichkeit aller Krebsfälle ist bei Rauchern doppelt so hoch wie bei Nichtrauchern. Raucher haben ein erhöhtes Risiko für ein Zweitkarzinom.
  • In der Schwangerschaft erhöht Rauchen das Risiko von Fehl- und Frühgeburten und wirkt sich negativ auf die Entwicklung des Kindes aus. Während der Stillzeit reduziert Rauchen die Menge der Muttermilch, Nikotin wird vom Säugling über die Milch aufgenommen. Beim Passivrauchen werden ähnlich schädliche Schadstoffe und Gifte aufgenommen. Die Erkrankungen entsprechen daher im Wesentlichen jenen, die durch das Aktivrauchen verursacht werden.

 

Rauchen ist verantwortlich für

  • vier Fünftel der Todesfälle beim Ösophaguskarzinom und für drei Viertel der Todesfälle beim Krebs der Mundhöhle und des Larynx
  • ein zweifach erhöhtes Risiko beim Pankreaskarzinom
  • ein immerhin um 50 % erhöhtes Risiko beim Blasen- und Nierenkarzinom
  • etwa ein Drittel der Cervixkarzinome
  • 14 % der Leukämiefälle.

 

Lungenkrebs und Rauchen

Häufigkeit von Lungenkrebs in Österreich 1983-2004 

 

Todesfälle bedingt durch Rauchen in Österreich

Im Jahr 2000 sind 77.000 ÖsterreicherInnen gestorben. Bei 8.900 ÖsterreicherInnen (6.300 Männer und 2.600 Frauen) - das sind 11,6 % aller Todesfälle - wurde im Jahr 2000 der Tod durch Rauchen (auch Passivrauchen) verursacht.

 

Verlorene Lebensjahre nach Altersgruppe bedingt durch Rauchen

 

Todesfälle bedingt durch Rauchen / 
alle Todesfälle 2000

 

Altersgruppe

(Jahre)

Männer

Frauen

Verlorene Lebensjahre pro Todesfall bedingt durch Rauchen

0−34

− / 1.400

− / 600

35−69

3.100 / 12.000

700 / 6.300

23 Jahre

70+

3.200 / 22.000

1.800 / 35.000

8 Jahre

 

 

 

 

Alle

6.300 / 35.000

2.600 / 42.000

15 Jahre

 

Kosten durch Rauchen in Österreich

Im Jahr 2003 betrugen die Kosten für Tabakrauchen in Österreich 511,4 Millionen Euro.

Volkswirtschaftliche Bilanz des Tabakrauchens in Österreich

Fiskalischer Nutzen

Beträge pro Jahr

in Mio. Euro

Tabaksteuer

1.087,3

Alters- abzgl. Witwenpensionen

45,1

Gesamt

1.132,4

Kosten

 

 

Arbeitsausfall

1.433,9

Gesundheitsausgaben

53,7

Invaliditätspensionen

39,9

Krankengeld

9 ,0

Pflegegeld

26,2

Hypothetische Kompensationszahlung an Passivraucher

81,0

Gesamt

1.643,7

Gesamtkosten pro Jahr

511,4

davon aufgrund von Passivrauchen

118,6

 

 

 

Annuisierte Kosten pro Jahr: 511,4 Millionen Euro oder 0,23 % des BIP in 2003
davon aufgrund von Passivrauchexposition: 118,6 Millionen Euro.
Diese Schätzung stellt die untere Grenze der Kosten dar.

 

Was haben Rauchertote mit Verkehrstoten gemeinsam?

Im Jahr 1972 betrug die Anzahl von Menschen, die als Autofahrer, Motorradfahrer, Motorfahrradfahrer, Fahrradfahrer oder Fußgänger im Verkehr getötet wurden, in Österreich noch 2.948. Durch das Einführen von staatlichen Einschränkungen wie der Gurtpflicht, Promillegrenzen, Helmpflicht, sichereren Autos und ähnlichen Maßnahmen konnte diese Zahl bis zum Jahr 2007 auf 691 Menschen gesenkt werden.

Rauchen ist dem Fahren ohne Gurt oder Helm, betrunken Autofahren oder mit einem Auto ohne Bremse nicht unähnlich.

Alle diese Dinge sind lebensgefährlich für den, der es tut, und seine Umgebung. Das Verbot, ohne Gurt oder Helm oder betrunken zu fahren, rettet jährlich Hunderten von Menschen das Leben.

Ein Nikotinverbot würde Tausenden von ÖsterreicherInnen jährlich das Leben retten. Zusätzlich müssten der Staat und seine Bürger (= Steuerzahler) um 500 Millionen Euro weniger für Folgekosten des Rauchens aufwenden.

Folgende Maßnahmen wurden von der WHO 2008 im Rahmen einer weltweiten Anti-Rauchen-Kampagne vorgestellt, die mit 500 Millionen US-Dollar durch Bürgermeister Michael Bloomberg von New York City und Bill Gates finanziert wird:

  • drastische Anhebung der Tabaksteuer
  • generelles Rauchverbot in der Öffentlichkeit (Arbeitsplatz, Restaurants, Straßen, Verkehrsmittel etc.)
  • Anti-Rauchen-Werbung mit Prominenten als Vorbildern
  • Nikotinsubstitution (Pflaster, Kaugummi etc.) und Entzugstherapie per Krankenschein

 

Das Ziel ist ein generelles Rauchverbot; die Zukunft soll eine rauchfreie Gesellschaft sein.

Nachsatz: In Kalifornien wurde mit Anti-Rauchen-Gesetzen 1988 (Rauchverbot am Arbeitsplatz etc.) begonnen. 2004 betrug der Anteil an Rauchern in der Bevölkerung nur noch 15,4 %. Bereits im Zeitraum 1990 bis 1999 fiel die Lungenkrebssterblichkeit in Kalifornien um 19 %! Dies ist umso wichtiger, als im selben Zeitraum die Lungenkrebssterblichkeit in anderen Bundesstaaten der USA ohne strikte Anti-Rauchen-Gesetzgebung angestiegen ist.

"California's youth are choosing tobacco-free lifestyles because smoking is no longer seen as a social norm in this state and is no longer tolerated in public places", sagte die staatliche Gesundheitsdirektorin Sandra Shewry. "We have smoke-free restaurants, shopping malls, schools, playgrounds, parks and beaches. We have created a healthier California."

 

Literaturempfehlungen:

Akademie der Ärzte, www.meindfp.at, Raucherentwöhnung für die Praxis.

Khaw et al.: Combined Impact of Health Behaviours and Mortality in Men and Women: The EPIC-Norfolk Prospective Population Study, PloS Medicine, January 2008.

NIDA, Research Monograph 17 12.1977, NIH Pub No 07-5605,

www.who.int.

www.deathsfromsmoking.net, UICC, MRC, cancer research UK.

www.wikipedia - Nikotinsucht und Abhängigkeitspotenziale.

www.leginfo.ca.gov/.html/lab_table_of_contents.html section 6400-6413.5.

legacy.library.ucsf.edu.

www.cdc.gov/mmwr/preview/mmwrhtml/mm4947a4.htm.

caonline.amcancersoc.org/cgi/reprint/53/6/317.

Für weitere Ideen, wie ein Bundesstaat wie Kalifornien mit 30 Millionen Einwohner die rauchfreie Gesellschaft umsetzt: www.cdph.ca.gov/programs/Tobacco/Pages/default.aspx.