Alkohol

Alkohol ist in Österreich die Volksdroge Nummer eins!

 

Alkoholkonsum, Alkoholmissbrauch und Alkoholkranke in Österreich:

Herr und Frau Österreicher trinken am liebsten Bier, gefolgt von Wein. Grundsätzlich ist die Art des Getränkes für den Alkoholismus aber nicht maßgeblich - letztendlich kommt es nur auf die zugeführte Menge reinen Alkohols an.

"Harmlosigkeitsgrenze" und "Gefährdungsgrenze" lt. Health Education Council (1994)"


Männer

Frauen

Harmlosigkeitsgrenze:

Konsum als unbedenklich eingestuft

≤ 24 Gramm reiner Alkohol pro Tag

≤ 0,6 Liter Bier

≤ 0,3 Liter Wein

≤ 16 Gramm reiner Alkohol pro Tag

≤ 0,4 Liter Bier

≤ 0,2 Liter Wein

Mittlerer Alkoholkonsum

24-60 Gramm reiner Alkohol pro Tag

16-40 Gramm reiner Alkohol pro Tag

Gefährdungsgrenze:

Konsum als gesundheitsgefährdend eingestuft

> 60 Gramm reiner Alkohol pro Tag

> 1,5 Liter Bier

> 0,75 Liter Wein

> 40 Gramm reiner Alkohol pro Tag

> 1 Liter Bier

> 0,5 Liter Wein

  • 25 % der Österreicher und 45 % der Österreicherinnen über 15 Jahre sind abstinent (weniger als viermal pro Jahr Alkoholkonsum)
  • 42 % der Österreicher und 20 % der Österreicherinnen ab 15 Jahren trinken alkoholhaltige Getränke an zumindest einem der beiden Wochenendtage, Männer im Schnitt 50 Gramm Alkohol und Frauen 30 Gramm Alkohol
  • 9 % der Männer und 2 % der Frauen trinken täglich

Alkoholkonsumgewohnheiten in Österreich im Alter von 14?99 Jahren

Anzahl der Alkoholkranken und Alkoholmissbraucher in Österreich:

 

Alkoholkranke

Missbraucher
(exkl. Alkoholkranke)

Gesamt, Missbraucher und Alkoholkranke

Frauen

~ 90.000 (2,5 %)

~ 280.000 (7,9 %)

~ 370.000

Männer

~ 250.000 (7,5 %)

~ 450.000 (13,5 %)

~ 700.000

Gesamt, Männer und Frauen

~ 340.000 (5 %)

~ 730.000 (10,6 %)

~ 1.070.000

 

Es gelten etwa 340.000 Menschen in Österreich als alkoholkrank, und knapp 730.000 Österreicher konsumieren Alkohol in einem gesundheitsschädlichen Ausmaß. Diese Zahlen bedeuten wiederum, dass etwa 20 % der Erwachsenen ein Alkoholproblem haben.

Der durchschnittliche Alkoholiker ist männlich (ein Drittel der Alkoholiker ist weiblich) und zwischen 30 und 50 Jahre alt. Die Entwicklung einer Alkoholabhängigkeit dauert im Durchschnitt zehn Jahre.

Entwicklung des Pro-Kopf-Konsums der Erwachsenen (15- bis 99-Jährige) an reinem Alkohol (Gramm pro Tag) in Österreich, 1955-2006


 

Folgeschäden des Alkoholkonsums

Übermäßiger Alkoholkonsum macht abhängig und schadet sowohl den Organen als auch der Seele. Krankheiten, zu deren Entstehung Alkohol beiträgt, sind:

  • Akute Alkoholvergiftung
  • Alkoholpsychosen, Delirium
  • Depressionen
  • alkoholbedingte Demenz (Korsakow-Syndrom)
  • Lebererkrankungen: Leberentzündung (Hepatitis), Fettleber, Leberzirrhose
  • Nervenschädigungen, periphere Polyneuropathie
  • Krebserkrankungen: Kehlkopfkrebs, Speiseröhrenkrebs,              Bauchspeicheldrüsenkrebs, Magenkrebs, Leberkrebs
  • Herzmuskelschwäche(Kardiomyopathie), auch mit Herzrhythmusstörungen
  • Bluthochdruck
  • Alkohol-Embryopathie bei Kindern alkoholkranker Mütter

 

Todesfälle bedingt durch Alkohol in Österreich

Pro Jahr sterben in Österreich etwa 8.000 Menschen an den Folgen des Alkoholkonsums. Davon sterben jährlich etwa 1.800 Menschen an chronischer Leberkrankheit oder Leberzirrhose, Männer dreimal so häufig wie Frauen.

Erfreulicherweise ist in den letzten beiden Jahrzehnten die Sterblichkeit an Leberzirrhose bundesweit stark zurückgegangen (um 34 % gegenüber 1978/84). Dennoch bleiben die Leberzirrhose und der ihr zugrunde liegende Alkoholmissbrauch ein ernstes Gesundheitsproblem.

 

Verlorene Lebensjahre durch Alkoholmissbrauch

Wie viele Lebensjahre gehen durchschnittlich durch Alkoholmissbrauch und Alkoholkonsum verloren? Die durchschnittliche Reduktion der Lebenserwartung bei Alkoholikern wird je nach Schätzung mit zehn bis 28 Jahren angenommen. Bezieht man das auf alle Österreicher, würde sich - unter Berücksichtigung der Tatsache, dass aktuell 10 % der Österreicher im Laufe ihres Lebens an Alkoholismus erkranken - eine Steigerung der durchschnittlichen Lebenserwartung aller Österreicher um ein bis drei Jahre ergeben, wenn es keine Alkoholiker gäbe - und noch um einiges mehr, wenn es keinen Alkoholmissbrauch gäbe.

 

Volkswirtschaftliche Kosten durch Alkoholmissbrauch

Für Österreich bestehen keine systematischen Berechnungen über die volkswirtschaftlichen Kosten durch Alkoholmissbrauch.

Das Robert-Koch-Institut in Deutschland hat 2002 eine Schätzung für Deutschland herausgegeben: Die Volkswirtschaft wird jährlich mit 20 Milliarden Euro durch alkoholassoziierte Krankheiten belastet. Dies sind 1,13 % des Bruttosozialprodukts. Von den indirekten Kosten mit 12 Milliarden Euro entsteht der größte Ressourcenverlust mit 7 Milliarden Euro durch vorzeitige Mortalität der jährlich 42.000 an alkoholbezogenen Krankheiten Verstorbenen. Die Frühberentung ist der zweithöchste Ressourcenverlust, es folgt die Arbeitsunfähigkeit. Die direkten Kosten, also der Ressourcenverbrauch, verursachen 7,5 Milliarden Euro bzw. fast 40 % der Gesamtkosten. Von diesen sind die Krankenhausbehandlung, die vorbeugenden und betreuenden Maßnahmen und die ambulante Behandlung die Hauptpositionen. Männer sind für den erheblichen Teil der Kosten verantwortlich, da sie nicht nur häufiger ein riskantes und gefährliches Trinkverhalten zeigen, sondern auch über ein durchschnittlich höheres Einkommen verfügen. Sogar für die direkten Kosten wie bei der Rehabilitation werden für Männer pro stationäre Rehabilitationsleistung mehr Mittel eingesetzt als für Frauen.

Würde man die hier angegebenen Kosten von 20 Milliarden Euro auf Österreich umlegen, so wären dies pro Jahr 2 Milliarden Euro oder 2.000 Millionen Euro an direkten und indirekten Kosten für die Volkswirtschaft jährlich durch Alkoholmissbrauch.

 

Reduzierung des Alkoholmissbrauchs in Österreich

Alkoholmissbrauch betrifft 1 Million Österreicherinnen und Österreicher und ist somit kein Randgruppenphänomen. Die sozialen Folgen durch Alkoholmissbrauch für Kinder und Partner/Angehörige sind unübersehbar.

Die WHO hat im Mai 2008 erneut die Ziele des "European Alcohol Action Plan" (EAAP) 2000?2005 eingefordert. Die Umsetzung des EAAP in Österreich könnte viel soziales und persönliches Leid reduzieren.

Die neun Aktionsziele des "Europäischen Aktionsplans Alkohol" (EAAP) sind:

  • Stärkung der Gesundheitsförderungspolitik in den Mitgliedsländern  zur Prävention alkoholbedingter Schädigungen der Gesundheit
  • Konsensbildung mit internationalen Organisationen und Vereinigungenüber gemeinsame Aktionen zur Prävention alkoholbedingter Schädigungen  der Gesundheit
  • Stärkung von Praktiken in der Alkoholindustrie und im Gastgewerbe, die  die Prävention von alkoholbedingten Schädigungen der Gesundheit  unterstützen
  • Schaffung von gesundheitsfördernden Lebensbereichen, die Motivationund Fähigkeiten des Einzelnen stärken, Schädigungen seiner Gesundheit durch Alkohol entgegenzuwirken
  • Unterstützung kommunaler Initiativen zur Prävention und Bewältigung alkoholbedingter Schädigungen der Gesundheit
  • Medienkampagnen, um die öffentliche Unterstützung für einen sicheren Umgang mit Alkohol zu stärken
  • Erhöhung des Beitrags der Gesundheitsdienste, insbesondere der  primären Gesundheitsversorgung, zur Prävention und Bewältigung von  alkoholbedingten Schädigungen der Gesundheit
  • Erhöhung des Beitrags der Sozialdienste zur Prävention alkoholbedingter Schädigungen der Gesundheit
  • Erhöhung des Beitrags der Strafverfolgungsbehörden zur Prävention alkoholbedingter Schädigungen der Gesundheit

 

Literaturempfehlungen:

AKIS: Alkohol Koordinations- und Informationsstelle des Anton Proksch Instituts in Zusammenarbeit mit dem Ludwig-Boltzmann-Institut für Suchtforschung.

Bergmann, Eckardt/Horch, Kerstin: Kosten alkoholassoziierter Krankheiten, Schätzungen für Deutschland, in:

Robert Koch-Institut (Hrsg.): Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Berlin 2002.

Statistik Austria: Österreichische Gesundheitsbefragung 2006/2007, BMGJ, Wien 2007.

Uhl, Alfred/Bachmayer, Sonja et al.: Handbuch: Alkohol ? Österreich: Zahlen, Daten, Fakten, Trends 2008. 3. überarbeitete und ergänzte Aufl. BMGF, Wien 2008 (in Vorbereitung).

Uhl, Alfred et al.: Handbuch Alkohol ? Österreich 2001, Wien 2001.

Uhl, A./Springer, A et al.: Österreichweite Repräsentativerhebung zu Substanzgebrauch ? Erhebung 2004, Bd. 1: Forschungsbericht. BMGF, Wien 2005.

www.netdoctor.de.

web3.custompublish.com/getfile.php/435976.994.qetsaxdrqq/FORUT+Approach+to+Alcohol+and+Drug+Prevention+(pdf,+1,1+Mb).pdf.

www.worldalcohol.net/eu-process-leads-to-alcohol-strategy.433155-57844.html.

www.euro.who.int/document/E67946.pdf)

Weitere internationale Programme und Daten zur Reduktion des Alkoholmissbrauchs weltweit unter: www.add-resources.org/home.76188.en.html.